Indirekter Verbandszwang

Ungenügende Publikation, regelmässige Veränderungen der Rechtsgrundlagen, unklare Anwendungskriterien, lange Verfahrensdauern, unnötige Regelungen, unklare Bestimmungen und lokale Besonderheiten in AVE GAV behindern die Arbeitgeber mancher Branchen.

Viele Arbeitgeber sind damit überfordert. Fehlerhafte Beurteilungen über zulässige Arbeitszeiten, notwendige Altersvorsorge, usw. können aber rasch zu existenzbedrohenden Nachzahlungen, Bussen und Kontrollkosten führen.

Die Verursacher dieser Risiken bieten – gegen Entgelt – Sicherheit. Die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände bieten ihren Mitgliedern Merkblätter, Formulare, regelmässige Informationen über Neuerungen sowie Rechtsberatung an. Im Anwendungsbereich von AVE GAV stellt sich für manches Unternehmen die Frage, ob es aus Kosten- und Risikoerwägungen Mitglied des jeweiligen Arbeitgeberverbandes werden will.

Dass das Unternehmen damit den Verband unterstützt, der die Risiken, von denen er seine Mitglieder schützt, selber mitgeschaffen hat, stösst manchem Unternehmer sauer auf. Meine emotionaleren Klienten – und bei diesem Thema werden viele emotional – sprechen hier von Schutzgelderpressung.

Vermutlich ist die Mitgliedschaft beim entsprechenden Arbeitgeberverband mitunter wirtschaftlich zweckmässig. Die Beantwortung GAV-spezifischer Rechtsfragen ist nämlich auch für den auf Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt regelmässig mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Auch dem Arbeitsrechtler ist es nicht möglich, alle 211 GAV (gemäss Bundesamt für Statistik, Stand 2014), ihre Besonderheiten und die damit einhergehende Rechtsprechung zu kennen. Zudem kann sein, dass die paritätischen Kontrollinstanzen zu Mitgliedern des jeweiligen Arbeitgeberverbandes kulanter sind als zu Nichtmitgliedern, was – nüchtern betrachtet – den Beitritt rechtfertigen kann.

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